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Grundlegende Gestaltungsprinzipien der Kartografie

Hinweis: Dieser Text ist ein Auszug aus der 9. Auflage von Map Use und stellt eine aktualisierte Fassung eines früheren Blogbeitrags zu Gestaltungsprinzipien der Kartografie dar.

Kartografinnen und Kartografen stützen sich bei der Erstellung von Karten und der Gestaltung von Seitenlayouts – sowohl für Bildschirm- als auch für Druckmedien – auf eine Vielzahl von Gestaltungsprinzipien. Fünf dieser Prinzipien bilden ein zusammenhängendes System, das hilft, die relative Bedeutung der Inhalte auf der Karte und auf der Seite wahrzunehmen und zu verstehen. Ohne diese grundlegenden Prinzipien ist eine erfolgreiche kartografische Kommunikation kaum möglich.

Lesbarkeit und visueller Kontrast bilden die Grundlage dafür, die Inhalte einer Karte überhaupt wahrnehmen zu können. Figur‑Grund‑Beziehung und visuelle Hierarchie helfen der Kartenleserin bzw. dem Kartenleser, die Bedeutung einzelner Elemente zu erfassen und schließlich Muster zu erkennen. Proportionen wiederum verleihen der Karte und ihrem Layout eine ästhetische Qualität.

Diese fünf Prinzipien sind für die Kartografie von zentraler Bedeutung. Dabei ist zu beachten, dass sie nicht isoliert angewendet werden, sondern komplementär zusammenwirken. Erst in ihrem Zusammenspiel ermöglichen sie die Gestaltung von Karten, die geografische Informationen klar und wirkungsvoll kommunizieren.

1. Lesbarkeit

Lesbarkeit beschreibt die Fähigkeit, Karteninhalte zu sehen und zu verstehen. Kartografinnen und Kartografen streben häufig danach, Inhalte und Seitenelemente gut sichtbar zu gestalten; ebenso wichtig ist jedoch, dass diese auch verständlich sind. Angemessen dimensionierte und vertraute Symbole können von Kartenleserinnen und Kartenlesern mühelos erkannt und interpretiert werden. Geometrische Symbole sind auch in kleineren Größen gut lesbar, während komplexere Symbole mehr Raum benötigen, um lesbar zu bleiben.

Topografische Karte des Crater Lake Nationalparks mit Höhenfarben, Wanderwegen und Straßen, dargestellt mit Orten wie Rim Village, Munson Valley, Garfield Peak, Applegate Peak und Sun Notch sowie Höhenangaben in Fuß und Metern.
Angemessen dimensionierte Texte und Schriftarten mit ausreichendem Innen‑ und Zwischenraum der Buchstaben lassen sich leichter lesen. Vertraute Symbole sowie solche, die dem ähneln, was sie darstellen, sind einfacher zu verstehen.
Topografische Karte des Crater Lake Nationalparks mit Höhenfarben, Wanderwegen und Straßen, dargestellt mit Orten wie Rim Village, Munson Valley, Garfield Peak, Applegate Peak und Sun Notch sowie Höhenangaben in Fuß und Metern.
Symbole und Texte, die zu klein dargestellt sind, sind nicht lesbar.
Topografische Karte des Crater Lake Nationalparks mit Höhenfarben, Wanderwegen und Straßen, dargestellt mit Orten wie Rim Village, Munson Valley, Garfield Peak, Applegate Peak und Sun Notch sowie Höhenangaben in Fuß und Metern.
Komplexe Texte und Symbole müssen größer dargestellt werden, um gesehen und verstanden werden zu können (C). Unvertraute Symbole können Kartenleserinnen und Kartenleser verwirren und machen den Einsatz einer Legende erforderlich (C).

2. Visueller Kontrast

Visueller Kontrast beschreibt das Zusammenspiel von Kartenobjekten und Seitenelementen untereinander sowie mit ihrem Hintergrund. Um dieses Prinzip besser zu verstehen, hilft ein Vergleich mit dem Sehen in einer dunklen Umgebung. Da nur wenig reflektiertes Licht das Auge erreicht, besteht kaum visueller Kontrast zwischen den Objekten im Sichtfeld. Einzelne Elemente lassen sich weder gut voneinander noch von ihrer Umgebung unterscheiden. Mit zunehmender Beleuchtung steigt der visuelle Kontrast, wodurch Kartenleserinnen und Kartenleser Objekte und ihren Hintergrund deutlich besser auseinanderhalten können.

Das Konzept des visuellen Kontrasts ist auch für die Kartografie von zentraler Bedeutung. Ein guter visueller Kontrast trägt zu einer klaren, sauberen und gut strukturierten Kartenwirkung bei. Er hilft dabei, Unterschiede hervorzuheben, wichtige Kartenobjekte zu betonen und die Lesbarkeit insgesamt zu verbessern. Visueller Kontrast entsteht unter anderem durch die Variation von Symbol‑ und Schriftgrößen sowie durch den Einsatz kontrastierender Farben. Je höher der Kontrast zwischen Kartenobjekten ist, desto stärker treten einzelne Elemente hervor – meist solche, die größer, dunkler oder heller dargestellt sind. Umgekehrt kann ein geringer visueller Kontrast gezielt eingesetzt werden, um einen zurückhaltenden Gesamteindruck zu erzeugen. Karten mit niedrigem Kontrast eignen sich daher gut als Grundkarten, auf die thematische Darstellungsebenen gelegt werden können.

Schwarz‑weiße Übersichtskarte von Prince Edward Island in Kanada mit beschrifteten Städten wie Charlottetown, Summerside, Montague und Georgetown, dargestellt mit Straßenverbindungen, Flüssen, Nationalpark‑Bereichen und der Confederation Bridge über die Northumberlandstraße.
Obwohl Schwarz und Weiß den höchsten visuellen Kontrast zwischen Farben bietet, ist diese Farbkombination nicht in jedem Fall die beste Wahl für Karten.
Farbige Übersichtskarte von Prince Edward Island in Kanada mit Städten wie Charlottetown, Summerside, Montague und Souris, dargestellt mit Verkehrswegen, Küstenlinien, Flüssen, dem Prince Edward Island National Park sowie der Confederation Bridge über die Northumberlandstraße.
Beim Einsatz von Farben mit ähnlich hoher (hier dargestellt) oder niedriger (unten dargestellt) Sättigung beziehungsweise Helligkeit müssen sich die Farbtöne wie Rot, Grün, Blau oder Gelb klar voneinander unterscheiden lassen. Ist dies nicht der Fall, kann Kontrast auch durch eine Variation der Sättigung oder des Farbwerts, also der Hell‑Dunkel‑Abstufung, erzeugt werden. Zusätzlich können Konturen von Linien und Symbolen sowie Textmasken dazu beitragen, den visuellen Kontrast zu verbessern.
Farbige Übersichtskarte von Prince Edward Island in Kanada mit gut unterscheidbaren Farbtönen für Land und Wasser, beschrifteten Orten wie Charlottetown, Summerside, Kensington und Souris, Verkehrswegen, Flüssen, Küstenlinien sowie dem Prince Edward Island National Park und der Confederation Bridge.
Ein geringer visueller Kontrast eignet sich besonders gut für Grundkarten, da dadurch darüberliegende thematische Ebenen visuell stärker hervortreten.

3. Figur-Hintergrund

Die Figur‑Grund‑Organisation, kurz Figur‑Grund, beschreibt die spontane Trennung eines primären Interessenbereichs im Vordergrund (der Figur) von einem eher formlosen Hintergrund. Kartografinnen und Kartografen nutzen dieses Gestaltungsprinzip, um Kartenleserinnen und Kartenleser gezielt auf einen bestimmten Bereich der Karte zu lenken. Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, eine Figur‑Grund‑Wirkung zu erzeugen, etwa durch die Darstellung der Karte als geschlossene Form, die sich auf die Figur beschränkt, oder durch den Einsatz der Techniken, die anhand der oben dargestellten Botswana‑Karte veranschaulicht sind. Einige dieser Techniken lassen sich kombinieren, während andere gezielt dazu dienen, den jeweiligen Interessenbereich hervorzuheben.

Vergleichende Kartenansicht von Botswana in Afrika zur Veranschaulichung der Figur‑Grund‑Organisation: links Botswana im regionalen Kontext mit Nachbarstaaten, Gelände und Beschriftungen, rechts eine freigestellte Darstellung von Botswana mit klar abgegrenztem Umriss zur Hervorhebung des Untersuchungsgebiets.
Keine Figur‑Grund‑Organisation (links) und eine Darstellung als geschlossene Form (rechts).
Vergleichende Kartenansicht von Botswana in Afrika zur Darstellung der Figur‑Grund‑Organisation: links eine Karte ohne klare Figur‑Grund‑Trennung mit stark eingebettetem Hintergrund, rechts eine Karte mit deutlicher Hervorhebung von Botswana durch geschlossene Form, stärkere Konturen und reduzierte Hintergrunddarstellung.
Schlagschatten (links) und Rasterung beziehungsweise Abschwächung des Hintergrunds (rechts).
Vergleichende Kartenansicht von Botswana in Afrika zur Veranschaulichung der Figur‑Grund‑Organisation mit Schlagschatten links und abgeschwächtem, gerastertem Hintergrund rechts, jeweils mit deutlich abgegrenztem Landesumriss, Darstellung der Kalahari‑Wüste sowie Beschriftungen von Botswana, Gaborone und benachbarten Regionen.
Beleuchtung (links) und Vignettierung (rechts).

4. Visuelle Hierarchie

Visuelle Hierarchie bezeichnet die interne grafische Organisation beziehungsweise Struktur der Inhalte einer Karte. Sie unterstützt Kartografinnen und Kartografen dabei, die relative Bedeutung kartierter Objekte zu vermitteln, indem über den visuellen Eindruck eine Priorisierung oder Ordnung von Objektkategorien erzeugt wird. Diese visuelle Schichtung von Informationen ist grundlegend für die Fähigkeit von Kartenleserinnen und Kartenlesern, eine Karte zu verstehen. Richtig angewendet spiegelt visuelle Hierarchie eine angemessene gedankliche Ordnung wider, indem die wichtigsten Kartenobjekte grafisch hervorgehoben und weniger wichtige Elemente zurückgenommen werden.

Die hierarchische Organisation von Referenzkarten – also Karten, die die Lage verschiedener physischer und kultureller Objekte wie Relief, Straßen, Grenzen und Siedlungen darstellen – funktioniert anders als die von thematischen Karten, die sich auf die Verteilung eines einzelnen Merkmals oder auf die Beziehungen zwischen wenigen zusammenhängenden Merkmalen konzentrieren.

Bei Referenzkarten werden die Darstellungsebenen durch subtile Unterschiede hierarchisch geordnet. Häufig orientiert sich diese Reihenfolge an der geografischen Anordnung der Ebenen: Physiografie bildet die unterste Ebene, gefolgt von Hydrografie, Vegetation und vom Menschen geschaffenen Objekten; Grenzen und administrative Elemente liegen in der Regel darüber. Bei thematischen Karten treten die Referenzebenen visuell in den Hintergrund, sodass die thematische Ebene auf eine höhere visuelle Ebene rückt. Beschriftungen verbleiben stets auf der obersten visuellen Ebene, um eine gute Lesbarkeit sicherzustellen.

Übersichtskarte von New Plymouth mit Straßennetz, Stadtteilen, Küstenlinie und markierten Orten wie Pukekura Park, University und Racecourse.
In Referenzkarten helfen unterschiedliche Farben, Muster sowie verschiedene Größen für Texte und Symbole dabei, Objekte innerhalb derselben Ebene sowie zwischen verschiedenen Ebenen voneinander zu unterscheiden. Das Übereinanderlegen einer Ebene über eine andere sorgt für die notwendige subtile Trennung, um die Hierarchie der Feature‑Layer verständlich zu machen. (Kartenausschnitt mit freundlicher Genehmigung von Land Information New Zealand.)
Thematische Karte der Region Pittsburgh, USA, zur Darstellung leerstehender Wohneinheiten im Jahr 2020, visualisiert durch unterschiedlich große grüne Punktsymbole. Die Karte zeigt Stadtteile wie Pittsburgh, Swissvale, Munhall, Rankin und Baldwin sowie Flüsse, Straßennetze und das Relief als Hintergrund zur Verdeutlichung der räumlichen Verteilung.
Bei der Darstellung thematischer Daten wird der Inhalt der Basisebene auf ein Minimum reduziert, sodass die thematische Ebene innerhalb der Hierarchie auf der höchsten visuellen Ebene liegt.

5. Anteil

Proportion trägt dazu bei, dass eine Karte und ihre einzelnen Elemente zu einem stimmigen Gesamtbild zusammenfinden und eine ästhetisch ansprechende Visualisierung entsteht. Proportion beschreibt das Verhältnis zwischen einzelnen Elementen innerhalb der Karte und ihres Layouts. Gestaltungskonzepte, die eng mit Proportion verbunden sind, umfassen Symmetrie, Balance und Harmonie.

Balance beschreibt die Verteilung des visuellen Gewichts innerhalb einer Karte oder eines Layouts. Der Eindruck visueller Balance wird durch die Größe, das visuelle Gewicht und die Position der Inhalte in der Karte sowie der Elemente im Layout bestimmt. Visuelle Balance kann gefördert werden, indem die Kartenfigur im visuellen Zentrum des Layouts platziert wird, einem Punkt, der leicht oberhalb des geometrischen Zentrums liegt. Dieser Punkt ist in der Regel der Bereich, auf den sich das Auge zuerst konzentriert, und dient als Dreh‑ bzw. Balancepunkt des Layouts. Das visuelle Zentrum des gesamten Bildes verschiebt sich, sobald Änderungen an den Elementen des Layouts vorgenommen werden.

Vergleichende thematische Karten von Afrika zur Bevölkerungsdichte, dargestellt mit proportionalen Kreissymbolen. Die Abbildungen veranschaulichen visuelle Balance durch unterschiedliche Platzierungen von Karte, Legende und Titel. Markiert sind das geometrische Zentrum der Seite sowie das visuelle Zentrum der Abbildung, um Unterschiede in der Layout‑Wahrnehmung zu zeigen.
Im linken Layout ist die Karte im visuellen Zentrum des Layouts positioniert, und die Kartenelemente sind symmetrisch angeordnet, wodurch eine formale Balance entsteht. Die beiden anderen Layouts (Mitte und rechts) sind mit informeller Balance gestaltet. Die Anordnung der Elemente im Layout kann zudem dazu führen, dass sich der Blick gezielt in eine bestimmte Richtung bewegt, beispielsweise vom Titel zur Karte und weiter zu den übrigen Elementen auf der Seite.

Harmonie liegt vor, wenn die Karte und ihre Elemente in einer stimmigen Anordnung zusammenwirken und ein sinnvolles Gesamtbild ergeben. Harmonie lässt sich insbesondere durch Ausrichtung und Verteilung fördern. Ausrichtung positioniert Elemente relativ zueinander, etwa links‑, zentriert‑ oder rechtsbündig sowie oben oder unten. Verteilung sorgt dafür, dass Elemente gleichmäßig zueinander angeordnet sind. Beide Prinzipien können sowohl innerhalb einzelner Elemente, etwa bei den Bestandteilen einer Legende, als auch bei zusammengehörenden Elementgruppen eingesetzt werden, beispielsweise bei Übersichtskarte, Textblock und Legende im Layout der unten dargestellten Karte der USA.

Schematisches Kartenlayout einer USA‑Karte zur Veranschaulichung von Proportion und Harmonie in der Kartengestaltung. Die Abbildung zeigt die zentrale Platzierung der Karte sowie die Ausrichtung und gleichmäßige Verteilung von Gestaltungselementen wie Titel, Übersichtskarte, Textblock, Legende, Maßstab, Datenquelle und Autor:innenangabe zur Erzeugung eines ausgewogenen und harmonischen Layouts.
Symmetrie, Balance und Harmonie wirken zusammen, um eine gute Proportion zu fördern.

Weitere Informationen zu diesen und anderen Gestaltungsprinzipien der Kartografie finden sich in Map Use: Map Reading and Design, Band 1, 9. Auflage, erschienen bei Esri Press.

Hinweis: Der Text wurde aus dem Englischen übersetzt. Das Original ist hier abrufbar: